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Home Office: Worauf müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer achten?

In vielen Unternehmen hat sich heutzutage bereits die Arbeit im Home Office etabliert. Im Zuge der digitalen Vernetzung ist es in vielen Berufen möglich, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Dabei gibt es jedoch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber einiges zu beachten.

Besteht ein Recht auf Heimarbeit?

Im Gegensatz zu den Niederlanden, wo seit Juli 2015 ein rechtlicher Anspruch auf Heimarbeit besteht, haben Arbeitnehmer in Deutschland kein grundsätzliches Recht auf Home Office. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Arbeiten von zu Hause aus generell ausgeschlossen ist. Möchte ein Arbeitnehmer ganz oder zweiweise im Home Office arbeiten, bedarf dies der Zustimmung des Arbeitgebers. Dabei besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung. Das heißt: darf ein Kollege von zu Hause aus arbeiten, ist dies nicht automatisch für alle Mitarbeiter erlaubt. Wer wann und wie lange im Home Office arbeiten kann, entscheidet der Arbeitgeber. Andererseits kann ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter nicht gegen dessen Willen zur Heimarbeit verpflichten. Es besteht also weder ein Anspruch noch eine Pflicht zur Arbeit von zu Hause aus, sofern dazu keine besondere Regelung von vornherein im Arbeitsvertrag festgelegt ist.

Vor- und Nachteile des Home Office

Besonders in Berufen, in denen für die tägliche Arbeit lediglich ein Computer mit Internetzugang und ein Telefon benötigt werden, ist Heimarbeit eine beliebte Möglichkeit der Arbeitsform. Bevor jedoch über die Arbeit im Home Office verhandelt wird, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Vor- und Nachteile bedenken.

Vorteile

Die Arbeit im Home Office bietet Arbeitnehmern mehr Flexibilität in der Gestaltung des Tagesablaufes. Stehen Arzttermine, Besuche von Handwerkern, größere Lieferungen oder ähnliches an, muss dafür nicht extra freigenommen werden. Diese Termine lassen sich besser in den Tagesablauf integrieren, solange die Anzahl der Arbeitsstunden und das Arbeitspensum eingehalten werden.

Des Weiteren bietet Heimarbeit eine zum Teil erhebliche Zeitersparnis, da zum Teil lange Anfahrten zum Betrieb wegfallen. Auf den ersten Blick hat dies keine direkten Nutzen für Arbeitgeber, sondern "nur" für Arbeitnehmer. Mehr Zeit für das Privatleben zu gewinnen, bedeutet in erster Linie eine Steigerung der Lebensqualität. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: zufriedenere Mitarbeiter, die motivierter und leistungsbereiter an die Arbeit gehen können.

Nachteile

Bei der Arbeit im Home Office obliegt die Organisation der Arbeit in viel stärkerem Maße dem jeweiligen Mitarbeiter selbst, als dies direkt am Betriebsort der Fall ist, wo Teamleiter und Vorgesetzte vor Ort sind. So kann Heimarbeit zu einer geringeren Produktivität führen, da zu Hause häufig mehr Ablenkungen lauern als im Büro. Home Office ist also vor allem für Mitarbeiter mit einer soliden Selbstdisziplin denkbar. Zudem führt die räumliche Abwesenheit von Mitarbeitern unter Umständen zu längeren Entscheidungs- und Kommunikationswegen. Besonders in kleinen Betrieben erfolgen Absprachen häufig im persönlichen Gespräch und nicht über E-Mailverteiler. Ein kurze Abstimmung "über den Schreibtisch hinweg" erfordert im Home Office stets den Griff zum Telefon.

Wenn die Vor- und Nachteile der Heimarbeit gegeneinander abgewogen werden sollen, spielt es eine große Rolle, ob der jeweilige Mitarbeiter permanent bzw. über einen längeren Zeitraum von zu Hause aus arbeitet, oder nur unregelmäßig an einzelnen Tagen, wenn zum Beispiel ein Kind erkrankt ist oder ein Handwerkertermin ansteht. In jedem Fall sollten für die Arbeit im Home Office klare Absprachen getroffen und schriftlich festgehalten werden.

Klare Regelungen für Home Office schriftlich vereinbaren

Sind sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einig, den Ort der Arbeitsausübung flexibler zu gestalten und Home Office zu erlauben, sollten die Rahmenbedingungen dafür vorher festgelegt werden. Dies betrifft vor allem folgende Aspekte:

  • Wie lange und an welchen Tagen darf im Home Office gearbeitet werden?
  • Welche Arbeits- und Pausenzeiten gelten?
  • Sind betriebliche Kernarbeitszeiten auch im Home Office bindend?
  • Zu welchen Zeiten muss der Mitarbeiter für Kunden, Kollegen und Vorgesetzte telefonisch erreichbar sein?
  • Ist ein ausreichender Datenschutz gewährleistet?

Kündigung bei Arbeit im Home Office

Arbeiten Mitarbeiter von zu Hause aus, unterliegen sie den gleichen arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie am Betriebsort. Dies gilt auch für Kündigungsregeln. Da bei der Arbeit im Home Office die Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers eingeschränkt sind, besteht häufig die Gefahr des Arbeitszeitbetrugs. Selbst wenn die Arbeitszeiten durch den Arbeitnehmer digital aufgezeichnet werden, kann nicht immer sicher nachvollzogen werden, dass dieser die angegebene Zeit auch tatsächlich mit Arbeit verbracht hat. Zeichnet ein Arbeitnehmer mehr Arbeitsstunden auf, als er tatsächlich geleistet hat, kann dies eine verhaltensbedingte außerordentliche Kündigung ohne vorherige Abmahnung nach sich ziehen. Jedoch stellt die Beweispflicht Arbeitgeber hier vor große Herausforderungen.

Fazit zum Homeoffice im Arbeitsrecht

Bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland ermöglicht seinen Mitarbeitern die Arbeit im Home Office. Dies ist vor allem auf den Umstand zurückzuführen, dass sich immer mehr Arbeitnehmer eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit wünschen und Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitslösungen darauf reagieren. Dabei werden auch Forderungen laut nach einem generellen Anspruch auf Home Office, wie in den Niederlanden, wo die Heimarbeit nur bei triftigen Gründen vom Arbeitgeber verwehrt werden kann. Es ist also damit zu rechnen, dass es zukünftig im Bezug auf Home Office Änderungen und Ergänzungen im Arbeitsrecht geben wird. In jedem Fall ist es empfehlenswert, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch klare, schriftliche Vereinbarungen absichern, wenn die Arbeit im Home Office eingeführt werden soll.

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