Mobbing am Arbeitsplatz? Wie Sie sich jetzt wehren können…

13. November 2017 2. August 2018 Rechtsanwalt Croset
Worum geht's?
Was tun bei Mobbing?

Mobbing bezeichnet einen Prozess der systematischen Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen, die von einer oder mehreren Personen betrieben werden. Der Begriff Mobbing kommt vom englischen mob für Meute, randalierender Haufen; to mob heißt anpöbeln, bedrängen, attackieren und angreifen. Doch nicht bei jeder Auseinandersetzung, Schikane oder Ungerechtigkeit kann von Mobbing gesprochen werden. Die Fachanwälte für Arbeitsrecht der Rechtsanwaltskanzlei Croset erklären im Folgenden, was aus arbeitsrechtlicher Sicht unter dem Begriff zu verstehen ist und geben Hinweise für Arbeitgeber und Betroffene.

Rechtsprechung

Nachfolgend haben wir für Sie die rechtlichen Ansprüche aufgelistet, die Sie als Betroffene haben.

I. Ansprüche gegen den Arbeitgeber

a. Beschwerderecht

Gemäß § 13 Abs. 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) haben Beschäftigte das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebs, des Unternehmens oder der Dienststelle zu beschweren, wenn sie sich im Zusammenhang mit ihrem Beschäftigungsverhältnis vom Arbeitgeber, von Vorgesetzten, anderen Beschäftigten oder Dritten gemobbt fühlen. Die Beschwerde wird bestenfalls schriftlich verfasst. In dieser sollten die Mobbinghandlungen mit Zeit und Ort genau geschildert und Beweise angegeben werden, etwa E-Mails oder Zeugen. Der Betroffene kann so nachweisen, dass der Arbeitgeber von den Mobbingvorfällen Kenntnis hatte. Es empfiehlt sich daher ein sog. Mobbing-Tagebuch zu führen.

b. Anspruch auf Durchführung geeigneter Maßnahmen

 Der Betroffene kann von seinem Arbeitgeber verlangen, dass dieser das Mobbing durch geeignete, erforderliche und angemessene Maßnahmen unterbindet - zum Beispiel durch Ermahnung, Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung des Mobbers. Dies ergibt sich aus § 12 Abs. 3 AGG. Welche der Maßnahmen der Arbeitgeber umsetzt, liegt in seinem Ermessen. Der Arbeitnehmer kann aber durch einen Rechtsanwalt konkrete Vorschläge machen, um den Arbeitgeber unter Zugzwang zu setzen.

c. Anspruch auf Zurückbehaltung der Arbeitsleistung

Der Betroffene darf seine Tätigkeit ohne Verlust des Arbeitsentgelts einstellen, soweit dies zu seinem Schutz erforderlich ist. Dies ergibt sich aus einer analogen Anwendung des § 14 AGG. Voraussetzung des § 14 AGG ist, dass der Arbeitgeber keine oder offensichtlich nur ungeeignete Maßnahmen trifft, um das Mobbing am Arbeitsplatz zu unterbinden. Der Betroffene geht hierbei jedoch ein hohes Risiko ein: Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Voraussetzungen für ein Leistungsverweigerungsrecht nicht in vollem Umfang vorlagen, so kann die Verweigerung der Arbeitsleistung zu einer fristlosen Kündigung führen. Daher sollten Arbeitnehmer vorher dies stets mit einem spezialisierten Fachanwalt für Arbeitsrecht besprechen.

d. Anspruch auf Schadensersatz

Wenn der Arbeitgeber nachweislich nichts gegen Mobbing unternimmt, kann wegen Verletzung der Fürsorgepflicht und/oder eines Organisationsverschuldens ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen. Hierbei können etwa Arztkosten, Bewerbungskosten oder die Differenz zwischen Krankengeld und Gehalt ersatzfähig sein.

2. Ansprüche gegen den Mobbenden

a. Anspruch auf Widerruf/Unterlassung

Gegen rufschädigende oder beleidigende Äußerungen können Betroffene vorgehen, indem sie außergerichtlich einen Widerruf und/oder eine strafbewehrte Unterlassungserklärung vom Mobber verlangen. Weigert er sich, kann auch die Unterlassungs- und Widerrufsklage in Frage kommen.

b. Strafanzeige und Strafantrag

Daneben kommt ein strafrechtliches Vorgehen gegen den Mobber in Betracht. Denn in vielen Fällen verletzen Mobbingtaten auch strafrechtliche Vorschriften. Hier ist an Beleidigungsdelikte, an Körperverletzungsdelikte, besonders auch an Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu denken. Betroffene müssen mit Gegenanzeigen wegen übler Nachrede oder Verleumdung oder falscher Verdächtigung rechnen. Trotzdem können in vielen Fällen nur Strafanzeige und Strafantrag helfen, einen Mobber in die Schranken zu weisen.

Erläuterung

Was tun bei Mobbing?Können Sie einige der folgenden Fragen mit „ja“ beantworten, liegt u. U. ein Mobbing-Fall vor: Werden Sie gezielt anders als früher oder anders als Ihre Kollegen behandelt? Wurden Sie beleidigt oder diskriminiert? Wurde Ihnen nahgelegt, sich ein neues Arbeitsverhältnis zu suchen? Wurden persönliche Schwächen publik gemacht? Werden Sie vor Ihren Kollegen kritisiert? Dabei vielleicht auch angeschrien? Wurden Sie willkürlich abgemahnt, versetzt oder räumlich umgesetzt? Entscheidungen oder Kompetenzen werden permanent angezweifelt? Wurden Fehler oder Vorfälle aufgebauscht? Wurden hinter Ihrem Rücken Gerüchte verbreitet? Werden Sie „wie Luft behandelt“? Wurden Sie eingeschüchtert, bedroht oder genötigt? Wurden Sie sexuell belästigt? Wurden gesundheitliche Beeinträchtigungen herbeigeführt? (z. B. Zugluft, Hitze, Kälte, Lautstärke, Tabakqualm). Wurden Ihre Beschwerden verharmlost oder lächerlich gemacht?

Hierbei handelt es sich lediglich um Beispielsfragen. Mobbing ist ein sehr komplexes Thema. Auch wenn Sie keine der hier aufgeführten Fragen mit „ja“ beantworten können, können Sie trotzdem Opfer von Mobbing-Attacken sein.

Tipps für Arbeitnehmer

Sollten Sie Opfer von Mobbing-Handlungen sein, sollten Sie es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass Ihre Gesundheit darunter leidet. Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten. Dieser wird gegenüber Ihrem Arbeitgeber Ihre Rechte (u. a. aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz) durchsetzen, notfalls auch vor dem Arbeitsgericht.

Gerade Arbeitsgerichte in Ballungsräumen wir Berlin oder Hamburg stellen jedoch hohe Anforderungen. Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch und versuchen Sie, Beweise für die Mobbing-Handlungen (E-Mails, Zeugen etc.) zu sammeln. So können Sie später bei einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber beweisen, dass es tatsächlich zu Mobbing-Übergriffen gekommen ist.

Sollten die Mobbing-Handlungen so weit gehen, dass Sie körperlich angegriffen oder sexuell genötigt werden, sollten Sie unbedingt Strafanzeige stellen. Auch hierbei berät und begleitet Sie der Anwalt, falls notwendig unter Beiziehung eines Fachanwaltes für Strafrecht. Denken Sie daran: Sie sind nicht schutzlos gestellt. Sie müssen sich nur wehren!

Tipps für Arbeitgeber

Sie sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor Mobbing zu schützen. Zeigt Ihnen ein Mitarbeiter ein Mobbing durch einen Kollegen an, sind Sie verpflichtet, die daraus resultierende Benachteiligung des Mitarbeiters zu unterbinden. Je nach Schwere des Einzelfalls kommen als arbeitsrechtliche Sanktionen Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung in Betracht.

Erteilen Sie eine Abmahnung sollten Sie darauf achten, dass Sie dem Arbeitnehmer für jegliche Form des Mobbings in der Zukunft den Ausspruch einer Kündigung androhen. Beschränken Sie die Warnung etwa auf Tätlichkeiten, können Sie - wenn es sich das zweite Mal um eine „verbale“ Mobbing-Attacke handelt - nicht unter Hinweis auf die vorherige Abmahnung kündigen.

Insoweit wäre die Abmahnung nicht einschlägig. Am besten Sie lassen sich hierzu im konkreten Fall von einem Spezialisten für Arbeitsrecht beraten. Handelt es sich um einen Mobbing-Angriff in dem Ausmaß, dass eine Weiterbeschäftigung ausgeschlossen ist, können Sie ohne vorherige Abmahnung fristlos kündigen.

Da es aber bei der Beurteilung der Wirksamkeit einer außerordentlichen Kündigung stets auf die Umstände des Einzelfalls und das Ergebnis einer Interessenabwägung ankommt, sollten Sie sich durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten lassen. Denn ist die außerordentliche Kündigung unwirksam, kommen u. U. hohe Gehaltsnachzahlungen auf Sie zu.